DIE PARTEI, Ironie als politische Größe & Reaktanzvermeidung

DIE PARTEI spaltet die (linken) Geister

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Marie Geissler / RedeVux: Poetry Slammerin & Mitglied der Partei DIE PARTEI). Wichtige Anmerkung: alle Bilder hier entstammen meiner ‚Gelindnert Gesagt‘-Kampagne auf Facebook. Es ist keine Aktion der Partei DIE PARTEI. Ich will mich hiermit ausdrücklich von der Partei DIE PARTEI nicht distanzieren).

Innerhalb des links-intellektuellen Milieus (zumindest laut eigenem Gefühl) ist eine Streitdiskussion entfacht. Das Thema: Die Wähl- bzw. Nicht-Wählbarkeit der Partei DIE PARTEI. „Eine Quatsch-Truppe voller elitärer und pseudointellektueller Hipsters. Amoralische und privilegierte Millennials, die die Sinnlosigkeit ihrer Existenz in der völligen Aufgabe eines politischen Gestaltungswillens mit ihrer anti-demokratischen Meta-Meta-Ironie-Dahintrollerei auf dem Rücken derer austragen, die sich ernsthaft den wichtigen Aufgaben für die Zukunft unserer Gesellschaft widmen“, so der Tenor auf der einen Seite.* „Mimimi!“, die konsequente Antwort auf der anderen Seite.

*die Debatte um eine eventuelle verlorene Stimme bei der Wahl einer eventuellen „Unter-5-Prozent-Partei“ mal beiseite gelassen.

Ironie eine ernstzunehmende politische Größe

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Johannes Floehr, Poetry Slammer & Mitglied bei DIE PARTEI seit 2009. Photo by: Lukas Prangen

Angesichts der Ratlosigkeit der alteingesessenen Parteien im Umgang mit der tagtäglich stattfindenden Real-Satire unserer Welt, scheinen nur mehr Satire, Dada und die absolute Ironie noch die Kraft zu finden, sich dem Wahnsinn der Realität gewordenen Dr. Strangeloves dieses Planeten entgegenzustellen. Ist die plötzlich empfundene Bedrohung seitens der Linksparteien nicht ein deutliches Zeichen dafür, dass DIE PARTEI mit ihren Guerilla-Aktionen und ihrer Omnipräsenz alles richtig gemacht hat? Neuerdings stellt die Ironie in Deutschland eine ernstzunehmende politische Größe dar, die auch international für Furore sorgt. Ein Teil der Bevölkerung sieht seine politische Heimat also in der totalen Sinnbefreiung? Ist die Abkehr von der Ernsthaftigkeit selbst zu einer ernsten Sache geworden?

„Nur“ eine Spaß-Partei?

ERINNERUNGSKULTUR
Tobi Allers, Kunsthistoriker & Stadtführer bei Berlin Kultour, sympathisiert mit der Partei DIE PARTEI. (Photo by: Sascha Wolters)

„Inhalte überwinden“ heißt das Motto der Partei DIE PARTEI. Ein satirischer Querschlag auf die Hülsenhaftigkeit der politischen Diskussionskultur. Daraus ergibt sich jedoch ein Dilemma: Würde man bei einem theoretischen Einzug in den Bundestag inhaltslose Politik machen? Und falls nicht, wäre das nicht ein Verrat der eigenen „Werte“? Hier liegt wohl die Crux: Ist die Partei kompetent und/oder gewillt, ernsthaft politische Maßnahmen umzusetzen oder schließt Satire inhaltliche Politik von Anfang an aus? Seitens der PARTEI lautet die Antwort: „Satire als Wahlkampf und Problembewusstseins-Strategie sowie konstruktive politische Arbeit schließen sich nicht aus. Im Gegenteil, sie gehen Hand in Hand,“ sagt Barbara Roherwasser (Mitglied der Partei DIE PARTEI).

Island, Sonneborn & Late-Night-Shows

Als Argument dafür wird gerne auf Island verwiesen. Wo ein Satiriker den Karren aus dem Dreck gezogen hat. Oder auf Martin Sonneborn und was er an konstruktiver Europa-Politik bereits erreicht hat. Oder dass DIE PARTEI sich am effizientesten und medienwirksamsten von allen gegen AfD und Rechtsextremismus gestellt hat (Geldverkauf, Gruppen-Übernahmen, etc.). Oder man verweist auf John Oliver, Stephen Colbert und Konsorten und darauf, dass sie das liberal-politische Gegengewicht zu Donald Trump darstellen. Für mich ist das alles Pustekuchen. Der springende Punkt ist doch der hier:

Image-Problem der Linken: Spaßbremsen & Idealisten

Liebe Linke. Natürlich habt ihr Recht! Aber vor lauter Recht haben, vergesst ihr, dass ohnehin jeder vernünftige Mensch weiß oder wissen sollte, dass ihr Recht habt. Wer kann es euch verdenken? Zu wichtig ist eure politische Arbeit. Ich bin dankbar für euren Idealismus. Aber wer will schon auf einer exzessiven Party derjenige sein, der sagt: So Leute es wird langsam richtig spät, ihr seid betrunken, die Nachbarn haben sich schon beschwert. Der EDV-Udo hat uns schon wieder auf die Couch kotzt. Schluss mit dem Koks! Ist jetzt echt gut für heute. Damit ist man in der Stufe der Beliebtheit auf einer Skala von Christian Lindner bis Jan Böhmermann nur knapp vor dem SUV-fahrenden Yuppie in der Münchner Innenstadt.

Reaktanz als Problem linker Politik

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Michael Brüggemann, zukünftiger Landtagskandidat für RLP?

Mit Reaktanz beschreibt die Psychologie den Widerwillen, der in uns entsteht, wenn man sich von anderen anhören muss, was man ohnehin längst selbst schon weiß, aber es noch nicht auf die Kette gekriegt hat, es auch zu ändern. Ja, verdammt, ich weiß, Rauchen ist ungesund. Aber je mehr du mir das sagst, desto mehr rauche ich. In dieselbe Kerbe schlagen die vielzitierten Versuche der Grünen, einen Veggie-Day umzusetzen. Jeder vernünftige Mensch sollte erkennen, dass wir aus klimapolitischen und ethischen Gründen (und tausenden mehr), unseren Fleischkonsum einschränken müssen. Aber meine vernünftige Entscheidung lasse ich mir doch von niemandem aufzwingen!

Satire ist Botschaft ohne Reaktanz?

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Bonny Lycen, Sprecherzieherin & Poetry Slammerin, unterstützt DIE PARTEI.

Die Streitdiskussion um DIE PARTEI konnte sich wohl nur deshalb so aufbauschen, weil sich die linken Parteien und DIE PARTEI zu einem großen Teil auf dieselben Grundwerte einigen. Unter ihrer Clowns-Maske stecken (zumeist) links-liberale-progressive Menschen. Sie haben diese Werte so stark verinnerlicht, dass sie gar nicht mehr zur Debatte stehen, sondern als Prämissen ihres Humors dienen. Verletzungen dieser Prämissen dienen der satirischen Überhöhung. Durch das Lachen über diese Verletzungen gelingt es, die zugrundeliegenden Werte mitzutransportieren, auch wenn das Lachen manchmal im Hals stecken bleibt.

‚Gelindnert Gesagt‘- Facebook-Kampagne

Ich bin kein Mitglied der Partei DIE PARTEI, sehe aber die Parallelen zu meiner künstlerischen Arbeit als Kabarettist und politischer Mensch. In meiner Facebook Kampagne* „Gelindnert Gesagt – Mit Magenta-Gelb auf Schwarz-Weiß spitzenmäßig abgehoben“ habe ich im Stile der FDP-Plakate absurde Polit-Statements und Gags verbreitet. Meine Ziele waren: 1. die elitäre Politik der FDP zu karikieren, 2. auf politische Themen hinzuweisen, 3. Spaß und Heiterkeit zu verbreiten. (Gerne hätte ich auch andere Parteien parodiert, aber keine Partei macht es einem so leicht wie die FDP.**) Ich hoffe, ich konnte zeigen, dass ernste politische Themen viel lockerer von der Hand gehen, wenn man dabei ein bisschen Spaß hat und man die Leute gleichzeitig zum Lachen bringt? Reaktanz-Vermeidung nennt sich das. Bewusstseinsbildung und inhaltlich-politisches Korrektiv trotzdem inklusive.

*Ja, es ist selbstverliebt und arrogant, sich selbst zu zitieren. Aber das sind nicht die einzigen Gründe, weshalb ich es mache.
** Für die AfD reicht eine Fußnote.

Krampf raus, Spaß rein & trotzdem Inhalt

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Ali Amam, Bürgermeister der Herzen in Lübeck für DIE PARTEI.

Dieselben Prinzpien verfolgt DIE PARTEI. Ali Amam ist Bürgermeister-Kandidat der Partei DIE PARTEI in Lübeck. Schon jetzt ist er im politischen Tagesgeschäft integriert und erklärt den Erfolg seiner Partei durch diesen Mix aus Satire und regional-wirksamer politischer Arbeit.

„Wir wollen mit Satire auf Missstände vor Ort (Lübeck) hinweisen.“

Statt Zeigefinger gab es zum Beispiel dieses Plakat hier:parteiLuebeck

Ein voller Erfolg, das Plakat ging durch die Medien. Die Stadt musste reagieren. Verständlich, dass sich vor allem regional WählerInnen davon überzeugen lassen. Als ich ihm noch viel Erfolg für seinen weiteren Wahlkampf wünsche, antwortet er beispielhaft:

„Ich mache keinen Wahlkampf. Bei mir nennt sich das Freudentanz.“ (Ali Amam: Bürgermeister der Herzen)

Neue Wählerschaft: Die Nicht-Wähler mobilisieren

Ein Argument für DIE PARTEI ist die Mobilisierung von potentiellen NichtwählerInnen. Mein absolutes Lieblings-Wahlplakat in diesem Spätsommer war Nico Semsrotts Aufruf an die NichtwählerInnen. „Weil ich mir egal bin“. Im dazu passenden Video hieß es:

„Wenn es dir egal ist, wer im Bundestag sitzt, dann wähle doch am besten auch jemanden, dem es egal ist, dass er da drin sitzt.“ (Nico Semsrott)

DIE PARTEI fischt nicht im links-progressiven Lager, sondern will — und scheinbar erfolgreich — viele neue WählerInnen dazu gewinnen, überhaupt wieder zu wählen.

Keine Protestwahl, sondern bewusste Entscheidung

Ein Argument gegen die Wahl der Partei DIE PARTEI beruht auf der Annahme, dass es sich um reine ProtestwählerInnen handeln würde. Menschen, die die Schnauze voll haben vom politischen Zirkus. Bestimmt zum Teil zutreffend. Für viele ist es jedoch eine bewusste politische Entscheidung für DIE PARTEI. Nicht eine Enttäuschung, nicht politischer Verdruss. Nicht eine Wut, nicht eine Ahnungslosigkeit. Sondern eine bewusste Entscheidung!

DENKEN
Denken, Hoverwart (heißt eigentlich Brenda, will aber lieber anonym bleiben). Bellt für DIE PARTEI, wenn sie Futter kriegt.

Links-progessive-Umweltpolitik verpackt als Ironie

In einer internen Facebook-Gruppe der Poetry Slam Szene gab es kürzlich eine Umfrage bezüglich des Wahlverhaltens. Mir scheint diese Umfrage repräsentativ für eine links-intellektuelle Gruppe progressiver liberaler Menschen. Das wenig erstaunliche aber dennoch beeindruckende Ergebnis:

  • 63,4% Linke
  • 18,8% Die PARTEI
  • 12,5% Grüne
  • Unter 5%: Sonstige Parteien (sprich die Spaßparteien CDU/CSU, SPD, FPD)*

Was würde das für den Bundestag bedeuten? Eine progressive und sozial-gerechte Umweltpolitik verpackt als Ironie, damit sie besser runterflutscht. Könnte schlimmeres geben, oder?

*Für die AfD reicht eine Fußnote.

Fazit und klare Wahlempfehlung

wahlempfehlung
Dr. Bastian Mayerhofer, Humorexperte für die BILD-Zeitung & Musik-Kabarettist/Poetry Slammer. Distanziert sich ausdrücklich nicht von der Partei DIE PARTEI.

Unsere Welt braucht dringend linke Spaßbremsen! Ernsthaft. Als seriöses Gegengewicht gegen moralbefreiten Kapitalismus und elitäre Politik für die Reichen. Aber brauchen wir nicht auch diejenigen, die es schaffen, mit Humor, Satire und Ironie der Verbissenheit den Wind aus den Segeln zu nehmen, um die links-progressive Politik bisschen smoother in unserer Gesellschaft zu indoktrinieren? Ich darf als Ausländer ja leider nicht wählen. Ich bin mir auch nicht sicher ob ich DIE PARTEI wählen würde. Ich wünsche mir idealistische Weltverbesserer in der Regierung. Aber nicht, wenn sie Ironie, Satire und gelebten politischen Zynismus als Feindbilder betrachten! Deshalb ganz klare Wahlempfehlung (mit den eigenen Worten der Partei) von mir: Ja zur PARTEI, Nein zur PARTEI!

Zack. Und wieder stirbt ein Frosch.

14 Comedy-Shows die man kennen sollte

Ja, alle sind wir Serienexperten. Doch in Gesprächen bin ich oft überrascht, wie unterrepräsentiert Comedy-Shows sind. How I met Your Mother, The Big Bang Theory, Two and a Half Men …. Klar die kennt man noch! Aber dann ist schnell schon Schicht im Schacht. Deshalb: Hier die 14 besten Comedy Shows (willkürliche Reihenfolge), die man kennen sollte.

Natürlich handelt es sich um meinen persönlichen Geschmack. Die Liste ist deshalb 100% objektiv und vollständig*! Oder was meint ihr? Was habe ich vergessen? Wo irre ich? Schreibt es in die Kommentare!

*Shows wie Girls, Transparent oder Orange is the New Black sind keine reinen Comedy-Shows und deshalb ausgespart. Sketch-Shows wie Inside Amy Schumer, Key & Peele oder Portlandia und diverse Late-Night-Shows verdienen eine separate Betrachtung. The Simpsons, Futurama, South Park und Family Guy sind zu bekannt, um hier noch Platz zu finden. Parks and Recreation und vermutlich viele andere Shows muss ich gestehen, habe ich noch nicht gesehen. Wird nachgeholt, versprochen!

1. Seinfeld

Die Sitcom aller Sitcoms

Die Show, die „um nichts geht“, wie die Macher immer betonten. Dabei geht es eigentlich um sehr viel: um alle ungeschriebenen Gesetze des sozialen Miteinanders. Keine Situation im sozialen Leben, zu der es keine passende Seinfeld Episode gibt. Wie lange soll und darf man im neuen Jahr noch Happy New Year sagen? Kann man einen Schokoriegel aus dem Mülleimer — aber ganz oben und unkontaminiert! — vielleicht noch essen? Wer schafft es am längsten, ohne zu masturbieren? Do women know about „Shrinkage“?

Absurd & moralisch verwerflich … aber legendär

Als Seinfeld-Fans werdet ihr Teil einer großen internationalen Sekte, in der sich alle wissend und lachend zunicken, sobald Seinfeld-Ismen zitiert werden. Clever, absurd und moralisch verwerflich, aber bis heute die kommerziell erfolgreichste Comedy-Show aller Zeiten! Schwarze Magie? Oder die ideale Mischung aus präzisen Alltagsbeobachtungen, fantastischem Cast, großartigen Autoren, Larry Davids sozialer Paranoia in Humor transformiert & Jerry Seinfelds gottgegebener Fähigkeit über alle Zielgruppen hinweg zu punkten? Und dann ist da halt noch Kramer …

Beste Comedy-Show aller Zeiten

Seinfeld ist das Urgestein, das Original, und völlig unbestreitbar immer noch das Beste, was an TV-Comedy jemals produziert wurde. Also ihr lieben Friends-Fans, 1,2,3 und Diskussion los …

2. Veep

Willkommen im Weißen Irrenhaus

Veep ist eine brillante Mischung aus House of Cards und The Office. Moralische Integrität, eine intuitive Nähe zum Fußvolk und Souveränität selbst in den heikelsten politischen Zwickmühlen: Niemand kann das so authentisch vortäuschen wie die Vizepräsidentin der USA. Einfach mal China einen Cyber-Hackangriff andichten, weil man versehentlich eine private Nachricht für alle öffentlich twittert? Die lebenserhaltenden Maßnahmen der eigenen Mutter aus politischem Kalkül abschalten, weil das Timing optimale Sympathiewerte verspricht? Das Leben im Weißen Haus kann so einfach sein.

Mehr als Julia Louis-Dreyfus: Mockumentary & smarte Dialoge

Zu Recht heimst Julia Louis-Dreyfus jedes Jahr einen neuen Emmy ein für ihre Rolle. Man könnte die Show alleine wegen ihr empfehlen. Aber auch der restliche Cast ist bestechend (Tony Veale!). Dazu kommen bewährte quasi-dokumentarische Techniken, die Dogma-Handkamera-Ästhetik und grandiose Dialoge, die unseren Glauben bestätigen, dass die mächtigste Regierung der Welt das größte Irrenhaus der Welt ist.

3. Curb Your Enthusiasm

Fremdschämen hoch 20

Larry David, Co-Creator von Seinfeld, ist der King aller Fettnäpfchen und Meister im Ausschlachten der peinlichsten Situationen, die der Alltag eines superreichen Fernsehproduzenten in LA so mit sich bringt. Er spielt sein fiktionales Selbst, befreit von allen lästigen sozialen Zwängen. Sich aus Versehen über das Parkinson-Leiden von Michael J. Fox lustig machen, einem paranoiden und hochgefährlichen Gangsterrapper stilistische Verbesserungen in den Rap-Lyrics nahelegen, so unheimlich nerven, dass selbst die Engel im Himmel einen mit derben Schimpfwörtern zurück auf die Erde schicken. Sind wir nicht alle ein bisschen Larry David?

Wer es erträgt, wird belohnt

Curb Your Enthusiasm ist Fremdschämen auf einem völlig neuen Level! Für manche Zuseher mag das zu schmerzhaft sein. Für alle anderen, eine absolute Pflicht-Show, weil ganz einfach pretty pretty pretty good!

4. Archer

Spione, Sex, Alkohol & Gags ohne Ende

Eine familiengeführte Spionage-Agentur, die in Top Secret Missionen vor allem ihre eigene Unprofessionalität aufdeckt. Aber das mit vollem Erfolg! James Bond trifft auf Arrested Development. So die ehrgeizige Ansage der Macher. Also Topzeichner & den besten Voice-Acting Cast, den man sich vorstellen kann, ins Boot geholt. Voilà.

Definitiv nur Erwachsenenunterhaltung!

Jede Episode ein Feuerwerk an Gags, so politisch inkorrekt wie man es sich nur wünschen kann. Ein sexistischer, egomanischer Supermacho ohne die geringsten Ansätze von Selbstreflexion, für den man trotzdem auf Anhieb eine tiefe Sympathie hegt, ein durchgeknallter Wissenschaftler, Alkohol- und Drogenglorifizierung, schmutzige Erwachsenenunterhaltung, ein höchstfreudianischer Mutterkomplex, eine superhotte Agentin, Cyborgs, kalter Krieg, eine Fetischsekretärin und jede Menge Catch-Phrases, die schon jetzt die Popkultur penetrieren (PHRASING!). Nur ein paar der Punkte, die Archer zum absoluten Pflichtkonsum machen!

5. Rick and Morty

Hommage an Zurück in die Zukunft

Ein genialer exzentrischer Opa — Wissenschaftler und Alkoholiker — zieht bei der Familie seiner Tochter ein. Er zwingt seinen Enkel dazu, die Schule zu schwänzen, um auf bizarre Abenteuerreisen im Kosmos mitzukommen. Klar ist das ein bisschen gefährlich.

Ein experimenteller Brainfuck

Was nach einer halbwegs normalen Zeichentrick-Sitcom klingt, ist definitiv alles andere als normal. Rick and Morty ist ein experimenteller Brainfuck auf einer x-potenzierten hochwissenschaftlichen Metaebene. Multiple Paralleldimensionen, groteske Wesen und surreale Gedankenexperimente machen Rick and Morty zur mit Abstand durchgeknalltesten Serie, die ich kenne. Vulgär, geschmacklos und unendlich witzig. Jeder sollte diese Show kennen, aber vermutlich trifft sie nicht den Geschmack der Mainstream-Gesellschaft. Aber wer will das schon?

6. Silicon Valley

Parodie der Tech-Welt

Eine Clique hochbegabter und sozial … äh alternativ begabter Programmierer entwickelt einen Komprimierungs-Algorithmus, der die digitale Welt revolutionieren wird. Kein Wunder, schließlich ist nicht nur die Pornoindustrie auf schnelle Videokomprimierung angewiesen.

– Pornography accounts for 37% of all Internet traffic.
– 38% when I am online. (Bachman)

Sie gründen das Start-Up Pied Piper und mischen das Tech-Business auf. Es folgt ein skurriles Tauziehen mit geldgeilen Investoren, skrupellosen Plagiatoren und der eigenen Naivität.

Beste Nerd-Show ever

Was Shows wie I.T. Crowd oder The Big Bang Theory gestartet haben — Nerds in ihrem natürlichen Habitat darzustellen —, findet in Silicon Valley seine Vollendung. Die Show parodiert das Business-Modell unserer modernen Gesellschaft. In Kombination mit derb-intelligenten Dialogen, kauzigen Charakteren und einem entlarvenden Blick auf die digitalen Großkonzerne, die unsere Welt regieren. Wem das alles noch zu wenig ist: Silicon Valley hat den besten, längsten und nerdigsten Peniswitz der Film- und Fernsehgeschichte geschaffen. Mini-Spoiler-Alarm! Wer danach keine Lust auf Silicon Valley bekommt, ist selbst schuld!

7. Louie

Kafkaeske Spitzen-Comedy

Louis C.K. ist (Edit 2018: war?) für viele Experten der beste aktuelle Stand-Up Künstler und Entertainer im amerikanischen Fernsehen. In Louie erzählt er aus dem Leben seines fiktionalisierten Ichs mit Kindern und geschiedener Frau. Surreal und poetisch-melancholisch mäandert die Show zwischen der harschen Realität New Yorks und einer unheimlich lustigen Kafka-Novelle.

Existenziell, absurd, grandios

Existenzielle Comedy mit den absurdesten Dialogen, die man sich nur ausdenken kann. Dazu kommen grandiose Gastrollen. Nicht zuletzt: Ricky Gervais als faszinierend sadistischer Arzt.

Horace and Pete löst Louie ab

2016 kam es zum überraschenden (vorläufigen?) Ende. Louis C.K. steckt seine kreative Energie momentan lieber in eine neue Show (mit u.a. Steve Buscemi und Steven Wright!). Ohne große PR-Maschinerie hat er klammheimlich die Serie Horace and Pete auf seiner Homepage veröffentlicht, eine Show, die sich zwischen den Stühlen ansiedelt. Buchstäblich. Sie spielt in einer Bar. Aber auch genretechnisch als Hybrid zwischen Theater, Fernsehen, Comedy und Drama.

8. 30 Rock

Hinter den Kulissen einer Hit-Show

Tina Fey war Autorin bei Saturday Night Live. Sie weiß also, wie es hinter den Kulissen der erfolgreichen Sketch-Show abläuft. In 30 Rock porträtiert sie diesen Wahnsinn als Liz Lemon, Chefautorin der fiktiven Show The Girlie Show. Es geht um interne Querelen mit dem Produzenten und Vorgesetzten Jack Donaghy (Alec Baldwin) und um Eifersucht, Neid und Starallüren unter dem Schauspielteam, allen voran geht es um die Sorgen des unnachahmlichen Tracy Jordans.

Gags, Gaststars & Dr. Spacemen!

Was 30 Rock ansonsten auszeichnet: Großartige Gags, skurrile Charaktere, zahlreiche Gaststars und der lustigste Arzt, den es jemals im Fernsehen zu sehen gab: Dr. Spacemen! Dr. Spacemen!

– Doctor, can’t you inject him something right into his heart?
– I’d love to. But we have no way of knowing where the heart is. You see, every human is different. (Dr. Spacemen)

Interessanterweise gab man der Show anfangs nicht viel Aussicht auf Erfolg. Zu insider-mäßig für ein großes Publikum, hieß es damals. Aber da hat man sich wohl getäuscht. 30 Rock ist ein Hit! Eine Show, die man sich immer wieder mal ansehen kann, ohne dass es jemals langweilig wird.

9. Peep Show

Britische Show darf nicht fehlen

Die einzige britische Show in der Liste. Klar gäbe es viele andere britische Shows, die es verdient hätten (The Office — vielen in Deutschland ja als Stromberg bekannt — die surrealen Welten von Mighty Boosh, der Nonsense-Humor von Monty Python’s Flying Circus, Fawlty Towers, Coupling …) Aber Peep Show ist weniger bekannt, und das zu Unrecht! Ein Möchtegern-Musiker und ein sozial inkompetenter Versicherungsmakler wohnen gemeinsam in London. Worum es geht? Um das übliche: Soziale Phobien, Dating am Arbeitsplatz und gelegentliche Drogenexzesse.

Gefangen im Kopf zweier Idioten

Besonders witzig wird die Show, wenn sie den Widerspruch zwischen Verhalten und Denken der Figuren entblößt. Was The Office oder Modern Family durch den dokumentarischen Effekt der Interviews gelingt, erzeugt hier eine simple Stimme aus dem Off und die gnadenlose Point of View Kameraperspektive, selbst in Sex- und Kussszenen. Ja, das muss man nicht schön finden. Aber lustig ist es auf jeden Fall!

 

10. Arrested Development

Buddenbrooks auf LSD

Hätte Thomas Mann Die Buddenbrooks auf LSD geschrieben, vielleicht wäre Arrested Development rausgekommen. Das Porträt einer desolaten und exzentrischen Großfamilie, deren Besitz dank Unverantwortlichkeit, Größenwahn und Dekadenz den Bach runtergeht. Ein untalentierter Zauberer, ein ehemaliger Psychotherapeut, der jetzt Schauspieler sein will, ein konsumsüchtiges Dummchen, eine elitäre Matriarchin, die nur dank Alkohol funktioniert, das männliche Familienoberhaupt hinter schwedischen Gardinen (NO TOUCHING!), und ein einziges vernünftiges Familienmitglied, das Firma und Familie retten muss, obwohl es am liebsten alle Banden durchtrennen würde.

Die Kult-Show der 2000er!

Schräger und absurder geht es kaum. Das einzig Furchtbare an der Show war die viel zu abrupte Absetzung. Umso größer war die Freude aller Fans, als Netflix nach Jahren der Stille das Ruder in die Hand genommen hat und eine neue Season produzierte. Gelungen oder nicht, es war definitiv schön, alle Charaktere wiederzusehen. Eine Insider-Show, die man gesehen haben muss, um als wahrer Serienexperte durchzugehen. Und man bereut keine einzige Minute.

11. Modern Family

Stereotypen, Charaktere, Dynamik

Man nehme Stereotypen & Klischees wie eine heiße Kolumbianerin als Trophy-Wife, einen supergayen Wannabe-Musical-Star, einen machoistischen Patriarchen, einen tolpatschigen möchtegern-maskulinen Superdad und viele viele mehr, werfe sie alle in eine Familie, breche die Stereotypen in regelmäßigen Abständen, lasse die Figuren immer wieder in anderen Kombinationen aufeinanderprallen … und zack! Schon entsteht die unvergleichliche Dynamik einer Erfolgsserie.

Fantastische Schreiber & Mockumentary-Stil

Die Gags kommen in Modern Family so unerwartet und subtil, dass man höllisch aufpassen muss, sich nicht von den lasziven Lippen von Sofia Vergara ablenken zu lassen. Die Dialoge triefen vor Sarkasmus. Die Plot-Stränge überraschen in jeder Episode aufs Neue. Der Mockumetary-Stil liefert dem Publikum das Extra an Information, das es braucht, um die Missverständnisse, Schummeleien und Intentionen aus einer allwissenden Perspektive genüsslich zu beobachten.

Sarkastisch-liebevolles Portrait einer Großfamilie

Faszinierend auch, wie es den Machern gelingt, trotz aller Boshaftigkeit und bittersüßer Überzeichnung der Macken immer einen versöhnlichen Blick auf den ganz normalen Wahnsinn einer Großfamilie zu bieten. Und ganz nebenbei eine Lanze für eine liberale Familienpolitik zu brechen! Ein Muss für alle!

12. Tatortreiniger

Ein reichhaltig bedienbares Konzept

Ein professioneller Tatortreiniger kommt in Wohnungen und Häuser um Tatorte zu reinigen. Dabei trifft er auf schrullige Verwandte, Ex-Geliebte, Prostituierte, Geister und alles, was sonst so im Umfeld der Verstorbenen herumschwirren könnte. Herausgekommen ist Hamburger Schnack im morbiden Setting mit einer Portion Surrealität und ganz viel Experimentierfreudigkeit.

Deutsche Comedy erster Klasse

Tatortreiniger zeigt, dass das Publikum ernst genommen werden will und intelligente Unterhaltung verlangt. Vor allem die Nazi-Episode ist eine Sternstunde deutscher Comedy. Man muss sich in Deutschland offensichtlich nur trauen, den richtigen Autoren eine Chance zu geben und sie von ihren „aber-das-Publikum-will-doch-nicht-so-was-sehen-Fesseln“ befreien! Und Bjarne Mädel zeigt sich als der wandlungsfähigste deutsche Comedy-Schauspieler. Nach seiner Ernie-Rolle in Stromberg so eine Leistung rauszuhauen! Nicht nur deshalb äußerst sehenswert. Tatortreiniger soll hier auch stellvertretend für viele andere europäische Comedy-Shows stehen wie z.B. Braunschlag (Österreich) oder Solsidan (Schweden).

13. Friends

Für manche (fast) besser als Seinfeld

Ich schwöre: Meine Freundin hat mich gezwungen, Friends in die Liste mitaufzunehmen. Sie hat mir eine Knarre an die Stirn gehalten und mich angeschrien „Gib zu, dass Friends mindestens genauso gut ist wie Seinfeld!“ Das illustriert wie tief sich die New Yorker Clique in den 90ern in die Herzen der Zuseher gequasselt hat. Schon bei der Titelmelodie brechen alle Nostalgiedämme.

Melo-Comedy & Identifikationspotential

Die liebevolle Tussi Rachel, Ross das neurotisch-nerdige Vorbild für Ted Mosby, der sarkastische Chandler, die gitarrenklampfende Hippie-Eso-Phoebe, Joey der Dumbo-Lover und Monica, die … naja die Erwachsene. Sie alle haben sich lieb, und wir alle sie. Worum es geht? Gefühlt nur um Kaffee trinken, einen nudistischen Nachbarn (Seinfeld lässt grüßen) und darum ob Rachel und Ross jemals zusammenkommen. Anders als in Seinfeld (No tears! No hugging! No learning!) lernen in Friends die Charaktere aus ihren Fehlern. So bieten sie vielleicht mehr Identifikationspotential. Aber ich bin wohl zu soziopathisch, um Seinfeld nicht Friends vorzuziehen.

14. M*A*S*H

Ungehorsam aus moralischer Überlegenheitsposition

Ein US-Militärlazarett im Koreakrieg in den 50-er Jahren. Täglich werden Schwerverletzte mit den Hubschraubern geliefert. Nicht der optimale Ort um Schabernack zu treiben, den Vorgesetzten Streiche zu spielen, mit Krankenschwestern zu flirten, den besten Dry Martini zu finden und konstant herumzublödeln. Oder eben gerade deshalb!? Die begabten Chirurgen und sarkastischen Anarcho-Genies, Hawkeye und Trapper, genießen ihre Narrenfreiheit im Camp, die sie sich durch ihre lebenswichtige Aufgabe hart erarbeiten.

Humor als Ventilfunktion im Korea-Krieg

Es hat etwas erstaunlich Faszinierendes, wenn geistreiche Charaktere sich innerhalb eines strengen Systems ihre Freiheiten nehmen, um den Kriegsalltag eine Spur lebenswerter zu machen und gleichzeitig die Sinnlosigkeit vom Krieg anzuprangern. Was für eine Leistung, ein solch emotional aufgeladenes Thema wie den Krieg, humorvoll zynisch zu betrachten, ohne jemals pessimistisch zu werden! Was Freud wohl dazu gesagt hätte?

Henry Blake: Hawkeye? Don’t let me down.
Hawkeye: [in seinem Bademantel] Would I do anything to disgrace this uniform?

Ein Meilenstein der TV-Geschichte

Das goldene Zeitalter des Fernsehens, schön und gut. Aber man vergesse nicht die Geschichte! M*A*S*H. soll stellvertretend für so viele grandiose Serien aus früheren Zeiten stehen (I love lucy, All in the Family, ….The Dick van Dyke Show), auch wenn M*A*S*H immer herausstach und das Fundament für alles Kommende gelegt hat. 99 Emmy Nominierungen, 14 davon gewonnen! Zu Recht. Lasst uns Alan Alda (Hawkeye) hören, was er zu M*A*S*H zu sagen hat.

Fazit: Noch mehr Zeit sinnvoll vergeuden!

Wir leben in der goldenen Zeit des Fernsehens, sagt man. Stimmt wohl auch. Wenn ihr die Zeit findet, die Serien zu schauen, nehmt sie euch und lasst mich gerne wissen, was ihr davon haltet. Bis dahin wünsche ich große Unterhaltung mit allem, was euch so vor die Streaming-Linse flattert.

Zack. Und wieder sterben 14 Frösche.